Funke weg im Job? 3 Hebel, die du vermutlich noch nicht probiert hast

Funke weg im Job, obwohl auf dem Papier alles passt? Drei Hebel, die in Ratgebern selten vorkommen, plus was Studien zeigen und ein Schritt für diese Woche.

Gina Stephan

10/26/20264 min lesen

Du hast Routinen, ein Journal und einen aufgeräumten Kalender, und trotzdem fehlt im Job der Funke? Dann geht es hier um drei Hebel, die in den üblichen Ratgebern kaum vorkommen. Zu jedem gibt es einen Blick in die Forschung und einen Schritt für diese Woche.

Ich glaube, jeder hatte schon einmal eine Phase, in der der Funker im Job verloren gegangen ist. Als ich versucht habe, mir meinen Funken zurückzuholen, habe ich verschiedene Wege getestet. Erst habe ich mich nicht mehr über den Job beschwert, denn Meckern ändert ja nichts. Dann habe ich nach einer neuen Perspektive auf dieselbe Arbeit gesucht. Und schließlich habe ich mehr Energie ins Private gelegt, damit der Job weniger Gewicht bekommt. Das waren gute Anfänge. Zurückgebracht hat mir keiner von ihnen das, was ich vermisst habe.

Vielleicht kennst du das. Du lieferst zuverlässig, dein Feedback ist gut, in der Runde bist du die Konstruktive. Du hast ausprobiert, was man so ausprobiert: Fokuszeiten, Morgenroutine, Wochenreview. Von außen passt alles. Nur der Funke, mit dem du früher in einen Termin gegangen bist, ist weg, und du kannst nicht genau sagen, seit wann.

Im Netz läuft dieser Optimierungsversuch inzwischen unter Begriffen wie Happiness Maxing: Zufriedenheit wie eine Kennzahl steuern. Dass das kippen kann, zeigt eine Studie von Iris Mauss und ihrem Team (2011, Emotion). Wer zuvor auf den Wert von Glück eingestimmt wurde, fühlte sich nach einem fröhlichen Filmclip weniger positiv. Die Erklärung des Teams: Die Messlatte lag höher, also fiel die Enttäuschung größer aus. Die Stichprobe war klein und das Experiment fand im Labor statt. Als Hinweis taugt es trotzdem: Wer den Funken erzwingen will, misst sich ständig an ihm.

Innere Kündigung beginnt selten mit einer Entscheidung. Meist beginnt sie damit, dass etwas Kleines fehlt und man es nicht ernst nimmt. Die folgenden Hebel setzen daher schon früher an.

Kurz gesagt, die drei Hebel:

  1. Den Frust ernst nehmen, statt ihn zu managen.

  2. Erst klären, was du ändern kannst, dann umdeuten.

  3. Die Wirkung deiner Arbeit sehen, statt nur zu liefern.

Hebel 1: Den Frust ernst nehmen, statt ihn zu managen

Gute Miene, sachlicher Ton, nie genervt wirken. In großen Unternehmen gehört das zum guten Ton, und wer ambitioniert ist, beherrscht es besonders gut. Die Forschung nennt das Surface Acting: nach außen Gefühle zeigen, die man innen nicht hat.

Eine Meta-Analyse von Hülsheger und Schewe (2011, 95 unabhängige Studien) fand, dass Surface Acting zusammen mit der Lücke zwischen gezeigten und gefühlten Emotionen deutlich mit schlechterem Wohlbefinden zusammenhing (Korrelationen zwischen .39 und .48). Ehrlich eingeordnet: Es ging um Emotionsarbeit im Job allgemein, nicht um "nicht beschweren" im Speziellen, und es sind Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen. Verwandt ist es trotzdem.

Die neue Perspektive: Frust ist keine Störung, die du wegmoderieren musst. Er ist Information. Gemeint ist nicht Dauerklagen, sondern hinschauen: Wann kippt deine Energie, und was passiert direkt davor?

Dein Schritt für diese Woche: Notiere sieben Abende lang einen Satz: Wann war meine Energie heute weg, und was war direkt davor? Nach einer Woche hast du Daten statt Bauchgefühl.

Hebel 2: Erst klären, was du ändern kannst, dann umdeuten

"Sieh es positiv" gilt als reife Strategie, und oft ist es das auch. Eine Studie von Allison Troy und Kolleginnen (2013, Psychological Science) zeigt aber, dass es auf die Lage ankommt. Bei Stress, den man nicht ändern kann, hing eine gute Umdeutungsfähigkeit mit weniger depressiven Symptomen zusammen. Bei Stress, den man beeinflussen kann (ein Beispiel waren Probleme im Job), hing sie mit mehr depressiven Symptomen zusammen. Die Vermutung der Autorin: Wer umdeutet, verändert weniger.

Auch hier gilt: Es sind Zusammenhänge in einer Stichprobe von Menschen mit belastenden Lebensereignissen, und die Vermutung ist nicht bewiesen. Der Gedanke dahinter trägt trotzdem. Umdeuten ist ein Werkzeug für das Unabänderliche. Auf Änderbares angewandt, kann es zum eleganten Aufschieben werden.

Dein Schritt für diese Woche: Teile ein Blatt in zwei Spalten: Kann ich beeinflussen und Kann ich nicht beeinflussen. Schreibe auf, was dich im Job gerade belastet. Für die rechte Spalte darf die neue Perspektive arbeiten. Was links steht, ist keine Frage der Einstellung, sondern eine Entscheidung, die noch nicht gefallen ist.

Hebel 3: Die Wirkung deiner Arbeit sehen, statt nur zu liefern

In Konzernen liegen oft viele Schichten zwischen deiner Arbeit und dem Menschen, der sie nutzt. Du lieferst Folien, Konzepte, Prozesse. Rückmeldung kommt als Statusampel.

Adam Grant und sein Team (2007) ließen bezahlte Spendensammler eines Universitäts-Callcenters kurz einen Stipendiaten treffen, rund fünf Minuten. Im Folgemonat verbrachten sie mehr als doppelt so viel Zeit am Telefon, und die wöchentlichen Spenden stiegen im Schnitt von 185,94 auf 503,22 US-Dollar. Die Einordnung: ein einzelnes Callcenter, ein Monat Beobachtung, und der Effekt war bei Personen mit ausgeprägten sozialen Werten stärker. Es ging außerdem um Durchhalten, nicht um Freude.

Der Gedanke, der für dich zählt: Du musst nicht unbedingt einen größeren Sinn finden. Manchmal fehlt nur die Information, was deine Arbeit bei einem echten Menschen bewirkt.

Dein Schritt für diese Woche: Finde eine Person, die ein Ergebnis von dir tatsächlich nutzt, intern oder extern. Frage sie fünf Minuten lang: Was hat das konkret verändert?

Was diese Hebel nicht leisten

Sie zeigen dir, wo der Funke verloren geht und wo du ansetzen kannst. Sie beantworten nicht, warum gerade bei dir und was als Nächstes dran ist. Das hängt davon ab, was dir wichtig ist und wo du beruflich gerade stehst. Aus einem Blogartikel lässt sich das nicht ablesen. Sortieren lässt es sich schon.

Mehr zu dieser Spannung zwischen Funktionieren und Zufriedensein hörst du in meinem Podcast She Makes Sense bei Spotify und Apple Podcasts.

Fazit: Der Funke lässt sich nicht erzwingen, aber suchen

Happiness Maxing verspricht Kontrolle über ein Gefühl. Tragfähiger ist es, drei Fragen zu stellen: Was sagt mein Frust? Was kann ich ändern, bevor ich umdeute? Wo sehe ich, was meine Arbeit bewirkt?

Wenn du diese Fragen für dich sortieren möchtest, ohne dass daraus gleich eine Entscheidung werden muss, ist ein Gespräch ein möglicher Anfang. Im kostenlosen Erstgespräch schilderst du kurz deine Situation, und wir schauen gemeinsam, ob Coaching dafür der passende Rahmen ist. Danach entscheidest du.

Finde Klarheit in dir und im Job. Coaching für Karriere und Persönlichkeit.

© 2026 Gina Stephan